Spekulieren

Spekulation

Das Wort “Spekulation” kommt aus der lateinischen Sprache (”speculari”) und bedeutet etwa “beobachten”, “spähen” oder auch “die Dinge von einem überhöhten Standpunkt aus beobachten”.

Heute hat das Wort verschiedene Bedeutungen:

Spekulation in der Philosophie:

In der Philosphie ist die Spekulation die Annahme einer Tatsache, die zuvorderst nicht bewiesen werden kann, allerdings als recht wahrscheinlich erscheint. Unter diesen Umständen kann man auch die gesamte Theologie als Spekulation betrachten: Es wird davon ausgegangen, dass es einen Gott gibt und von dieser nicht bewiesenen Annahme ausgehend wird versucht, den Lauf der Welt oder der Dinge zu erklären. Auch die Annahme, das Weltall sei durch einen Urknall entstanden, darf als Spekulation in diesem Sinne bezeichnet werden.

Der alltägliche Begriff des Spekulierens:

In der Sprache unseres Alltags ist die Spekulation die schiere Vermutung auf die Verhaltensweise eines Anderen: Wenn ein Paar eine Hotelhalle verlässt, wird umgangssprachlich gerne spekuliert, ob die Beiden nun die Nacht zusammen verbringen werden. Eine Vielzahl von Gazetten und Fernsehsendern lebt von dieser Art der Spekulation.

Spekulation als Wirtschaftsbegriff und Inbegriff des globalen Handels:

Politisch und in der öffentlichen Wahrnehmung hat das Wort “Spekulation” indes in den vergangenen Monaten einen negativen Beigeschmack erhalten: In der Wirtschaft versteht man unter Spekulation eine Form der Wette, die für viele beteiligten Menschen oder gar Staaten tragisch enden kann.
Spekuliert wird hier in Form einer Annahme über die Wert- und damit verbundene Kursentwicklung großer Unternehmen oder auch Immobilien und Rohstoffe.
Die derzeit grassierende Finanzkrise nahm ihren Ausgang damit, dass offenbar zahllose Menschen rund um den Erdball darauf wetteten oder spekulierten, dass verschuldete Amerikaner ihre Eigentumshäuser tatsächlich mit den entsprechenden Zinsen abbezahlen würden, gleichzeitig ihren Konsum erhöhen, womöglich arbeiten und ein Einkommen erzielen und der Gegenwert des Hauses dieser Spirale folgend immer weiter steigt. Die Konsequenzen sind bekannt: Die weltweite Spekulation erwies sich als fataler und teurer Irrtum, den die Welt nun zu bezahlen hat.

Noch katastrophaler ist die Spekulation auf die Entwicklung von Rohstoffpreisen: Der Irak-Krieg hat die Börse, also den Spielplatz der globalen Spekulanten, immer wieder in Bewegung versetzt: Je mehr US-Soldaten und irakische Zivilisten ihr Leben verloren, desto höher stieg der Preis für Öl an den Börsen in der Erwartung, dass die westliche Welt bald einen neuen Kriegsschauplatz eröffnen müsste, um die Quellen des begehrten Rohstoffs zu sichern.
Spekulation an den Börsen ist letztlich der Inbegriff des Zynismus. Schuld an der gegenwärtigen Krise nimmt das Geschäft allerdings weiterhin ungebremst seinen Lauf und lebt von der kurzsichtigen Geldgier der Menschen.